In den Protokollen der Kirchenvisitation von 1496 wird erstmals eine Kir­che in Edigheim erwähnt. In der folgenden Zeit war Edigheim Filiale von Oppau und wurde von dort durch so genannte Hilfsgeistliche versorgt.Entsprechend den Vereinbarungen des Augsburger Religionsfriedens von 1555 mit seinem Kerngedanken „Cuius regio eius religio" - auf gut pfälzisch „Wie de Herr, so soi Gscherr" (Der normale Christ mußte den Glauben seines Fürsten annehmen oder wegziehen) wurde 1556 die Re­formation in der Pfalz von oben herab eingeführt. Kurfürstlicher Weisung gemäß schloß sich auch die Gemeinde Edigheim der neuen Lehre an.

Dies sollte aber sehr bald zu einem Kirchenstreit führen, der bis in unser Jahrhundert hineinreichte.Der Kurfürst Johann Wilhelm versuchte mit Gewalt zum Ausgang des 17. Jahrhunderts die Reformierten zum alten Glauben zurückzuführen. 1705 wies er auch in Edigheim durch einen Eingriff von oben die Kirche nebst allen Besitzes den Katholiken zu, obwohl damals nur ein einziger Bewohner des Ortes dem katholischen Glauben anhing. Immerhin wurde es dann 1707 den Reformierten gestattet, die Kirche mitzubenutzen, ohne allerdings irgendwelche weitergehenden Ansprüche stellen zu dür­fen. Dieses Ungleichgewicht der Rechte führte unter den Anhängern der beiden Konfessionen immer wieder zu Spannungen. Zum erneuten Bruch kam es 1740, als man die alte, baufällige Kirche abreißen ließ. Noch durften sich die Reformierten kräftig am Wiederaufbau beteiligen. Aber nach Vollendung des Bauwerkes 1750 wurde ihnen ein Mitbenut­zungsrecht verweigert und den Katholiken wieder die alleinigen Rechte über das Gotteshaus zugebilligt. Dieser Zustand dauerte bis zum Jahre 18 16.

Die Protestanten mußten sich in diesen Jahren zur Abhaltung ihrer gottesdienstlichen Aktivitäten in kleinen Nebenräumen und Stuben auf­halten, obwohl sie stets den größeren Teil der Bevölkerung stellten. Da­her machten sie immer wieder Eingaben und stellten Bittgesuche. Ohne Erfolg! Dieser war dann dem Presbyterium unter Leitung des Pfarrers Ullmann vergönnt. In einem erneuten Bittgesuch wandte man sich an Seine Majestät, König Max I. von Bayern: „Seit 75 Jahren betrauert die reformierte Filialgemeinde Edigheim den Verlust ihrer Güter und Gefäl­le. Eine kleine Stube des Gemeindehauses ist ihr zur öffentlichen Gottes­verehrung angewiesen ... Jetzt 1816, geht ihm ein Stern der Hoffnung auf im neuen Landesvater. Der liberale Geist läßt sie eine nahe, bessere Zu­kunft ahnen... Sie hoffen, daß die Gerechtigkeitsliebe ihnen das wieder zuerkennt, was der finstere, intolerante Geist früherer Zeit mit Gewalt ihnen und ihren Vorfahren entrissen hatte." ('Zitiert nach K. O. Braun, Geschichte der beiden Rheindörfer Oppau und Edigheim, 1953, Sei­te 732).

Die Bittschrift hatte den erwarteten, oder besser, den erhofften Erfolg. Reformierte und Katholiken konnten sich einigen. So wurde am 27. 10. 1816 erstmals wieder ein reformierter Gottesdienst in der Edighei­mer Kirche abgehalten. Die Geschichtsschreibung spricht von einer bril­lanten Rede des Pfarrers Ullmann.Die Zeit dieses zweiten Simultaneums war nicht reibungslos. Wie häufig hing auch in diesem Fall viel an der Persönlichkeit des jeweiligen Pfarrers und seiner Mitarbeiter, wie das Verhältnis gestaltet war. Dennoch kann man ganz allgemein von einer friedlichen Zeit reden.Im Jahre 1911 wird Edigheim zur selbständigen Protestantischen Pfarrei ernannt. Größtes Bestreben des ersten Pfarrstelleninhabers, Adolf Schmitt, war es, den Edigheimer Protestanten eine eigene Kirche zu ver­schaffen: Mit der unermüdlichen Hilfe, vornehmlich der Frauen des Or­tes, aber auch Mitgliedern des Presbyteriums, zog er durch die ganze Pfalz, um für den Bau der Kirche zu sammeln. So gelang es der Gemeinde in den Jahren 1914 - 1916 die heutige Kirche unter der Bauleitung des Kaiserslauterer Architekten Raimund Ostermeier in der damaligen Stil­richtung des Jugendstils zu erbauen.

Am 5. März 1916 wurde sie ihrer gottesdienstlichen Bestimmung übergeben. Zur gleichen Zeit erbaute der Architekt auch die Kirche von Höheinöd im Landkreis Pirmasens. Diese Kirche kann wie der kleinere Zwilling unserer Prot. Kirche in Edigheim angesehen werden.Die folgenden drei Jahrzehnte der Edigheimer Kirchengeschichte waren weniger bewegt. Die Weltgeschicke standen in schrecklicher Weise im Vordergrund. Das Gotteshaus, das man einst mit viel Mühe und unter gro­ßen Entbehrungen im ersten Kriege erbaut hatte, wurde nun durch den schrecklichen Krieg 1939 - 1945 in Mitleidenschaft gezogen.Nach dem Krieg wurde die Kirche unter dem damaligen Pfarrer Paul Schenck in den Jahren 1950 - 1952 renoviert. Die Geldmittel reichten ge­rade, um das Nötigste zu machen. Die teilweise beschädigten, buntver­glasten Fenster wurden durch einfache Bleiverglasung ersetzt. Die Mate­rialien waren einfachster, damals üblicher Art.

Nach 35 Jahren war es nun höchste Zeit, die Kirche grundlegend zu sa­nieren und zu renovieren. Während der Renovierungszeit über deren Verlauf die Baugeschichte in dieser Festschrift Auskunft gibt, konnten wir Gast in der Kath. Unterkirche sein. Die Zeiten haben sich - Gott sei es gedankt - geändert Es war für den katholischen Pfarrgemeinderat und seinen Pfarrer selbstverständlich, den "heimatlosen" Protestanten in ihren Räumen vorübergehende Heimat zu gehen. Dazu sagte der katho­lische Pfarrer, Alois Fernekeß beim letzten Gottesdienst in der Prot. Kir­che am 21. April 1986 sinngemäß: „Was wir tun können im Lichte unseres gemeinsamen Herrn Jesus Christus, das sollten wir tun. Wir sollten aber auch anerkennen, daß es Verschiedenheiten gibt, die wir nicht ein­fach einebnen können." Der Begriff der versöhnten Vielfalt der im Zu­sammenhang mit den Lima-Papieren über Taufe Eucharistie und Amt geprägt wurde, hat hier eine deutliche Akzeptanz erfahren. So danken wir unseren katholischen Brüdern und Schwestern für ihr großes Entgegenkommen und die unkomplizierte Zeit der Gemeinschaft.

Bei genauerem Nachdenken wird es wohl für Jeden ein tiefes Erlebnis gewesen sein, daß Katholiken und Protestanten gleichzeitig ihre Gottesdienste unter einem Dach feierten.

Dies war gelebte Ökumene.

   

Tageslosung  

Samstag, 18. November 2017
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
Jesus Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.
   

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